MilitärischeNachrichtendienst der NVA und Agenturaufklärung

Andreas Kabus: Auftrag Windrose. Der militärische Geheimdienst der DDR; Berlin (Verlag Neues Leben) 1993 [ISBN 3-355-01406-0]

Informativ auch ein Beitrag in einer offiziellen Bundeswehr-Zeitschrift (der Autor arbeitet an einer Doktorarbeit, die eine wissenschaftlich bestens fundierte Studie zum Thema zu werden scheint):
Bodo Wegmann: Den Klassenfeind im Visier - Der militärische Geheimdienst der DDR, in: Informationen für die Truppe, Nr. 2/1997, S. 64-69


NVA-Kundschafter Dieter Popp - Vorsitzender der Initiativgruppe »Kundschafter des Friedens fordern Recht«

(aus: Junge Welt vom 25. Juli 1997)

Noch vor dem Anschluß der DDR sind Sie 1990 verhaftet worden. Wie kam es dazu?
Mindestens 100 DDR-Kundschafter im Westen sind durch den Überläufer Eberhard Lehmann aus Berlin-Karlshorst verraten worden. Dafür erhielt er ein Kopfgeld von 300 000 DM; 3 000 Mark pro Verrat. Die hätte ich ihm gern selbst gegeben, wenn ich dafür nicht ins Gefängnis gemußt hätte. Der Verfassungsschutz zahlt ihm heute eine monatliche Rente von 3 000 DM. 1991, nach meinem Prozeß in Düsseldorf, schrieb Richter Wagner in mein Urteil: »Es kann zu seinen Gunsten angenommen werden, daß er von der durch seinen Lebensweg beeinflußten Vorstellung bestimmt war, für Entspannung zwischen den Blöcken arbeiten zu können.« Verurteilt wurde ich von ihm zu sechs Jahren Haft und vier Jahren Entzug der bürgerlichen Ehrenrechte. Über sechs Monate verbrachte ich in Untersuchungshaft in Koblenz - als Isolationshaft, die es ja in der Bundesrepublik theoretisch nicht gibt und entgegen dem geltenden Strafgesetz, das nur sechs Monate U-Haft zuläßt. Insgesamt vier Jahre mußte ich in unterschiedlichen Haftanstalten des »Reiselandes NRW« absitzen, über drei Jahre davon im geschlossenen Vollzug. Das Verfahren kostete mich 20 000 DM, darunter waren auch die Kosten für die Observation meiner Person. 70 000 DM muß ich zahlen, die mir von der DDR angeblich als Agentenlohn gezahlt wurden, mit dem ich laut Urteil meinen »Lebensstandard erheblich verbessert« haben soll. Gerechnet auf 20 Jahre entspricht das zehn Mark pro Tag. Es dauerte nicht lange, da stand bereits der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Inzwischen ist meine Rente gepfändet. So wie mir geht es vielen DDR-Kundschaftern, die heute oftmals von Sozialhilfe leben. Doch man schöpft jeden Tag erneut Kraft. Jeder Tag in der Haft hat mich eigentlich nur stärker gemacht.

 

Die Geschichte wird zeigen wer Recht spricht und wer Recht hat ,

sicher nicht der Verfasser dieses Schriftstückes

Ex-DDR-Spione veröffentlichen Buch
Berlin (MOZ) Ehemalige DDR-Spione wollen mit gesammelten Berichten über ihre Agententätigkeit ihr Bild in der Öffentlichkeit korrigieren. Der frühere Leiter der DDR-Auslandsspionage, Markus Wolf, sagte am Freitag bei der Vorstellung von "Kundschafter im Westen", das Buch solle pauschale Anschuldigungen gegen seine früheren Mitarbeiter widerlegen. Wolfs Nachfolger Werner Großmann betonte, an der Tätigkeit der DDR-Spione sei "nichts verbrecherisches und nichts ehrenrüriges" gewesen. Niemand müsse sich für seine Arbeit schämen.

Links zum Thema:

G. Platzdasch , Jena+Frankfurt/Main